MIT CHARAKTER UND STIL

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Faszination Custom Bikes

VON CHRISTIAN PECHER

Seit 1903 baut Harley-Davidson Motorräder, deren Bauweise und Klang Fans weltweit begeistern. Wir haben uns mit Andreas Scholz, Managing Director bei Custom Chrome Europe, Europas führendem Zubehöranbieter für Harley-Davidson-Motorräder, über die Faszinationskraft der Marke und die Leidenschaft der Fans für individuell gestaltete Bikes unterhalten.

Herr Scholz, die Kultmarke Harley-Davidson steht für ein ganz besonderes Lebensgefühl. Wie lässt sich dieses beschreiben und woher kommt es Ihrer Meinung nach?
Das ist ganz sicher so und wird im viel zitierten Ausspruch von Willie G. Davidson gut auf den Punkt gebracht, man verkaufe ein Lebensgefühl und gebe das Motorrad gratis dazu. Ein entmaterialisiertes Produktversprechen ist ja auch durchaus praktisch, wenn der Wettbewerb Motorräder baut, die auf der rationalen Ebene jeden Produktvergleich gewinnen. Motorradfahren bedient jedoch Emotionen, jenseits technischer Daten und messbarer Werte, und hier bietet Harley-Davidson sehr viel mehr. Das fängt beim sinnlichen Erleben an, wenn der großvolumige Motor zündet – die Beschleunigung auf den ersten Metern, der markante, einzigartige Sound. Freiheit steht ganz oben im Werte-Set des Markenkerns, das Brechen von Konventionen, Anderssein und somit Individualität.
Die Marke und das mit ihr verbundene Lebensgefühl sind ganz eng mit ihrer amerikanischen Herkunft verflochten. Freiheit und Individualität sind ja der Kern des amerikanischen Traums.

Welche Eigenschaften schätzen Harley-Fahrer besonders an ihren Maschinen und weshalb?
Zum einen dieses sinnliche Erleben, zum anderen dürfte den meisten eine Liebe zu großen V2-Motoren gemein sein, der relativ einfache Aufbau und die Zurückhaltung bei technischen Innovationen. Zudem wird die Wertstabilität der Bikes als positiv empfunden, und natürlich schätzen Harley-Fahrer ihr Bike als ideale Plattform für die Verwirklichung individueller Ideen beim Customizing. Für kein anderes Fahrzeug gibt es eine solch große Zubehörindustrie.

Weshalb spielt für Harley-Fahrer die Individualisierung ihrer Bikes eine so große Rolle?
Die wenigsten von uns verstehen ihr Bike als Fortbewegungsmittel. Für uns bedeutet es vielmehr irgendetwas im Bereich zwischen Hobby und Lebensanschauung. Wir wollen es unseren Vorlieben entsprechend anpassen: die flache Dragbar für den sportlichen Fahrer, der entspannte Apehanger für den relaxten Typ, aber auch gestalten: Mit einem kurzen Heckfender kommt der Breitreifen viel besser zur Geltung. Sich kreativ auszuleben, ist meiner Meinung nach ein menschliches Grundbedürfnis, Individualisierung seit Jahren ein Megatrend.

Sie sind Europas größter Zubehörshop für Harley-Davidson-Motorräder und Custombikes. Erzählen Sie uns bitte, wie es dazu gekommen ist.
Wir sind Europas größter, auf amerikanische Motorräder spezialisierter Großhandel und beliefern rund 2.000 Shops und Werkstätten. Entstanden ist das Geschäft Mitte der 1980er-Jahre unter dem Namen „Tom’s Chrome Shop“, als in Bad Kreuznach die dort stationierten GIs Ersatzteile für ihre mitgebrachten Harleys brauchten. Das Geschäft wuchs rasant, entsprechend der Entwicklung bei Harley-Davidson, das in dieser Zeit die Evolution-Motorengeneration und damit technisch deutlich verbesserte, zuverlässigere Motorräder auf den Markt brachte. Ende der 1990er-Jahre wurde das Unternehmen von der amerikanischen Custom Chrome Inc. gekauft, um ihre Expansion in Europa zu beschleunigen. Das ist gelungen, und unser Katalog ist inzwischen über 1.500 Seiten stark und 5 Kilogramm schwer. Wir haben ihn in die gängigsten fünf europäischen Sprachen übersetzt, Tausende von Teilen durch den TÜV geprüft und offensichtlich immer ein gutes Gespür für Trends und Entwicklungen in der Szene bewiesen. Bei uns arbeiten Menschen aus der Szene für die Szene. Unser Geschäft mit hervorragenden Mitarbeitern authentisch zu betreiben, ist unser wichtigstes Asset.

Sie bieten mittlerweile über 30.000 Produkte an. Welche technischen Herausforderungen bringt das mit sich?
Die Herausforderungen liegen vor allem auf der logistischen Seite. Bei der Stammdatenverwaltung bedeutet dies: Neben den Anforderungen, die die reine Quantität der Daten mit sich bringt, ist die Geschwindigkeit bei der Erfassung und bei der Ausleitung in die verschiedenen Kommunikationskanäle wichtig. Wir brauchen umfassende Produktinformationen, die je nach Kanal und Kommunikationsziel anders kombiniert und jederzeit verfügbar sein müssen.

Gemeinsam mit Ihrem Partner eggheads arbeiten Sie daran, Ihren Print- und Onlinekanal effizienter steuern zu können. Wie sah die Abstimmung im Vorfeld aus?
Begonnen hat das Projekt mit einer Aufnahme der Istsituation bezüglich der Datenhaltung. Unsere vorangegangenen Feststellungen haben sich dabei bestätigt: Wir brauchen ein zentrales System, um unseren Kunden noch hochwertigere und umfangreichere Produktinformationen zur Verfügung stellen zu können. Anschließend haben wir unsere Erwartungen an ein solches System gesammelt. Gemeinsam wurde dann der Projektplan ausgearbeitet, und Meilensteine im Projekt wurden definiert.

Was soll verändert werden und weshalb?
Die Anforderungen an Produktinformationen steigen stetig. Für diesen Bedarf ist ein gutes PIM-System zwingend notwendig. Unser Ziel ist es, Pflegeaufwand zu minimieren und gleichzeitig die Datenqualität zu erhöhen. Da wir jedes Jahr Artikel aus unserem Sortiment löschen und gleichzeitig Tausende neu aufnehmen, muss dieser Vorgang auch für die zugehörigen Informationen schnell und unkompliziert umsetzbar sein. Definierte Workflows gewährleisten, dass jeder Schritt in der Datenhaltung beziehungsweise -pflege über den Lebenszyklus eines Artikels ausgeführt wird.

Welche Anforderungen haben Sie an das künftige Datenqualitätsmanagement?
Neben der schnellen Neuanlage von Artikeln wird es immer wichtiger, dem Kunden möglichst viele Informationen zu einem Produkt zur Verfügung zu stellen. Informationslücken zu identifizieren, ist somit eine der Anforderungen. Eine weitere ist, Daten von vorneherein in ausreichender Qualität vorliegen zu haben, damit sie bei der Ausleitung (zum Beispiel Katalogerstellung) nicht mehr aufbereitet und kontrolliert werden müssen. Das Datenmanagement muss festgelegte Workflows beim Ablauf steuern, beispielsweise im Falle eines fehlerhaften Inhalts. So werden Fehler schnellstmöglich behoben, und der Kunde erhält die richtigen Informationen.

Im Rahmen der Internationalisierung wird es immer wichtiger, Content in vielen Sprachen bereitzustellen. Was sind Ihre weiteren Ziele dahingehend und wie unterstützt eggheads Sie dabei?
Bereits jetzt bieten wir sowohl unseren Onlineauftritt als auch unseren Katalog in Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch an. Durch das PIM-System erwarten wir uns eine große Entlastung bei der Verwaltung und Bereitstellung von Textübersetzungen. Künftig wäre es denkbar, Informationen in Sprachen zur Verfügung zu stellen, die bisher unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit nicht berücksichtigt wurden.

Welche weiteren Projekte sind für die kommenden Jahre geplant?
Was unseren Markt betrifft: den stetigen Wandel in unserer Szene verfolgen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Harley-Davidson wird 2018 sein 115-jähriges Bestehen feiern, Custom Chrome Europe existiert dann seit 20 Jahren. Trotz des von Harley gepflegten nostalgischen Images passt sich das Unternehmen der Zukunft an. Dass die Modellbaureihen und sogar die Modellbezeichnungen von Jahr zu Jahr übernommen werden, täuscht oft über die Tatsache hinweg, dass es sich bei den aktuell verkauften Harleys um Weiterentwicklungen handelt. Für dieses Modelljahr stellte Harley einen völlig neuen 8-Ventil-Motor vor, der seinen Look und Charakter bewahrt hat, technisch aber völlig neu entwickelt wurde. Harley hat 50 neue Modelle für die nächsten fünf Jahre angekündigt. Was für einen Stil die Kunden bevorzugen werden und welche Teile sie benötigen, ist jetzt noch gar nicht abzusehen. Hier liegt die Herausforderung, der wir jeden Tag begegnen.


Andreas Scholz

Andreas Scholz ist seit zwölf Jahren bei der Custom Chrome Europe GmbH beschäftigt, seit Ende 2011 als Geschäftsführer. Nach 15 Jahren in der Carl Knauber GmbH & Co. KG und vier Jahren in der Zentrale der Deutschen Postbank AG, entschied er sich, seine große Leidenschaft – amerikanische Motorräder und Custombikes – auch beruflich zu nutzen. Der Betriebswirt lebt in Alfter bei Bonn.


Hersteller

eggheads ist mit der eggheads Suite einer der führenden Anbieter von Standardsoftware im Bereich Produkt Informations Management (PIM). Vom Stammdaten-, über Medien Management bis hin zur Katalogproduktion werden alle Prozesse durchgängig in einem System unterstützt.

eggheads GmbH
irmgard.herz@eggheads.de
eggheads.de


Bildcredit © Jörg Bluhm

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